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<title>Zeitzünder</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Zeitzünder</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr">
<p><b>Zeitzünder</b> lassen als verzögerte <a href="Z%C3%BCnder" title="Zünder">Zünder</a> eine <a href="Sprengladung" title="Sprengladung">Sprengladung</a> nach einer bestimmten, vorher festgelegten Zeit explodieren. Man kann zwischen <a href="Pyrotechnik" title="Pyrotechnik">pyrotechnischen</a><sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>, <a href="Mechanik" title="Mechanik">mechanischen</a>, <a href="Chemie" title="Chemie">chemischen</a> und <a href="Elektronik" title="Elektronik">elektronischen</a> Zündern unterscheiden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Pyrotechnische_Zeitzünder"><span id="Pyrotechnische_Zeitz.C3.BCnder"></span>Pyrotechnische Zeitzünder</h2></div>

<p>Die Verzögerung kann durch den Abbrand einer <a href="Z%C3%BCndschnur" title="Zündschnur">Zündschnur</a> erreicht werden.
</p><p>Bei <a href="Handgranate" title="Handgranate">Handgranaten</a> bringt der <a href="Verz%C3%B6gerungssatz" class="mw-redirect" title="Verzögerungssatz">Verzögerungssatz</a> das Objekt unabhängig vom Aufschlagszeitpunkt nach einem meist werksseitig eingestellten Zeitintervall (Zeitstempel) zur Detonation. Sie sind aufgrund ihrer sichereren Handhabung weiter verbreitet als <a href="Aufschlagz%C3%BCnder" title="Aufschlagzünder">Aufschlagzünder</a>. Für die Realisierung des Zeitintervalls (Abbrands) existieren unterschiedliche, vom jeweiligen Stand der Technik abhängige Lösungen. Allgemein sind bei modernen Modellen Verzögerungszeiten zwischen 4 und 5 Sekunden üblich (manche Modelle, wie die Tränengasgranate US M54 CS-HGR, brauchten zum Druckaufbau zwischen 8 und 12 Sekunden). Auslöser ist dabei meist ein Ereignis, welches eintritt, wenn die Waffe die Hand des Soldaten verlässt. Gegen Anfang des 20.&nbsp;Jahrhunderts waren dies häufig Lederschlaufen, später meist freizugebende Sicherungsbügel, welche unter Vermittlung von Schlagfedern den eigentlichen Mechanismus aktivierten. Bei den bekannten deutschen <a href="Stielhandgranate" class="mw-redirect" title="Stielhandgranate">Stielhandgranaten</a> und anderen Modellen wurde der Zeitzünder durch Herausreißen einer Schnur, bei wieder anderen durch das Schlagen der Granate auf einen harten Untergrund aktiviert. Der eigentliche Wurfvorgang hatte bei diesen Modellen keine Auswirkung auf den Zünder.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Mechanische_Zeitzünder"><span id="Mechanische_Zeitz.C3.BCnder"></span>Mechanische Zeitzünder</h2></div>



<p>Mechanische Zeitzünder arbeiten meist mit einem Feder-Mechanismus, vergleichbar einer <a href="Taschenuhr" title="Taschenuhr">Taschenuhr</a>. Zu einem vorbestimmten Zeitpunkt nach Start des Mechanismus wird die Zündung des Sprengsatzes ausgelöst. Der Zeitpunkt der Zündung ist annähernd, aber nicht exakt bestimmbar, da mechanische Bauteile fertigungsbedingte Schwankungen aufweisen. Die erste mit einem mechanischen Zeitzünder bestückte Bombe wurde versehentlich <a href="Anschlag_auf_die_Mosel" title="Anschlag auf die Mosel">beim Verladen auf das Auswandererschiff Mosel 1875 in Bremerhaven gezündet</a><sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>. Auch für die deutsche Splitterbombe <a href="SD_2" title="SD 2">SD 2</a> aus dem Zweiten Weltkrieg existierten mechanische Zeitzünder.
</p>
<ul class="gallery mw-gallery-packed">
<li class="gallerycaption">Artilleriezünder</li>
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</li>
</ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Chemische_Zeitzünder"><span id="Chemische_Zeitz.C3.BCnder"></span>Chemische Zeitzünder</h2></div>
<p>Chemische Zeitzünder funktionieren auf der Basis zweier chemischer Substanzen, die langsam miteinander reagieren und eine <a href="Initialz%C3%BCndung" title="Initialzündung">Initialzündung</a> auslösen. Im Gegensatz zu anderen Zündern ist bei einem chemischen Zeitzünder kein Stopp oder Widerruf möglich; zudem ist der Zeitpunkt der Zündung nicht genau bestimmbar. Letztes liegt in der Funktionsweise begründet. Im Unterschied zu den meisten Zündern, die höchstens durch <a href="Vereisung" class="mw-disambig" title="Vereisung">Vereisung</a> von der Umgebungstemperatur beeinflusst werden, ist bei chemischen Zündern die Temperatur ein wesentlicher Faktor. Bei niedrigen Temperaturen verläuft die chemische Reaktion langsamer, bei hoher entsprechend schneller ab. Das wohl bekannteste Beispiel für die Anwendung eines chemischen Zeitzünders war das <a href="Attentat_vom_20._Juli_1944" title="Attentat vom 20. Juli 1944">Attentat vom 20.&nbsp;Juli 1944</a> auf <a href="Adolf_Hitler" title="Adolf Hitler">Adolf Hitler</a><sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>, wo ein <a href="Bleistiftz%C3%BCnder" title="Bleistiftzünder">Bleistiftzünder</a> (Pencil detonator, offizielle Bezeichnung: Switch No.&nbsp;10) britischer Herkunft verwendet wurde. In einem dünnwandigen Messingrohr befand sich eine <a href="Kupfer(II)-chlorid" title="Kupfer(II)-chlorid">Kupfer(II)-chlorid</a>-Lösung in einer mit Baumwollstoff umwickelten Glas<a href="Ampulle_(Beh%C3%A4lter)" title="Ampulle (Behälter)">ampulle</a>. Nach Zerdrücken der Ampulle durch Knicken des Rohrs zerfrisst die Chloridlösung den in der Stoffumhüllung liegenden Haltedraht des gespannten <a href="Schlagbolzen" title="Schlagbolzen">Schlagbolzens</a>, der dann auf ein <a href="Anz%C3%BCndh%C3%BCtchen" title="Anzündhütchen">Zündhütchen</a> mit der <a href="Initialsprengstoff" title="Initialsprengstoff">Initialladung</a> schlägt und so die eigentliche Sprengladung auslöst. Im <a href="Zweiter_Weltkrieg" title="Zweiter Weltkrieg">Zweiten Weltkrieg</a> wurden diese Zünder, die nach Aktivierung nicht mehr zu entschärfen sind, z.&nbsp;B. auch in der französischen <a href="R%C3%A9sistance" title="Résistance">Résistance</a> bei Sabotageaktionen benutzt.
</p>

<p>Nach ähnlichem Prinzip funktionieren die <a href="Chemisch-mechanischer_Langzeitz%C3%BCnder" title="Chemisch-mechanischer Langzeitzünder">chemisch-mechanischen Langzeitzünder</a> britischer und US-amerikanischer Fliegerbomben, die durch ihre verzögerte Explosion Lösch- und Bergungsarbeiten behindern sollten. Hier wurde der Schlagbolzen durch eine Packung von <a href="Zelluloid" title="Zelluloid">Zelluloidplättchen</a> gehalten. Die während des Falls der Bombe vom Windrad angetriebene Auslösespindel zerstörte die im Zünder verschraubte Glasampulle mit <a href="Aceton" title="Aceton">Aceton</a>. Dieses zersetzte die Plättchen und der Schlagbolzen löste aus. Durch eine unterschiedliche Zahl von verschieden dicken Plättchen konnten die Verzögerungszeiten zwischen einigen Dutzend Minuten und mehreren Tagen variieren. Die Zünder werden umgangssprachlich falsch verbreitet als <a href="Chemisch-mechanischer_Langzeitz%C3%BCnder" title="Chemisch-mechanischer Langzeitzünder">Säurezünder</a> bezeichnet, obwohl das verwendete Lösungsmittel Aceton zu den <a href="Ketone" title="Ketone">Ketonen</a> gehört und chemisch daher keine <a href="S%C3%A4uren" title="Säuren">Säure</a> ist.
</p><p>Bomben, die mit solchen Zündern ausgerüstet sind, stellen als <a href="Blindg%C3%A4nger" title="Blindgänger">Blindgänger</a> auch heute noch eine besonders große Gefahr dar, weil sie auch ohne äußere Einwirkung durch die alterungsbedingte Festigkeitsabnahme des Zelluloids jederzeit explodieren können.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Elektronische_Zeitzünder"><span id="Elektronische_Zeitz.C3.BCnder"></span>Elektronische Zeitzünder</h2></div>
<p>Elektronische Zeitzünder sind die moderne Version der mechanischen Zünder. Sie funktionieren auf der Basis eines elektronischen <a href="Elektrische_Schaltung" title="Elektrische Schaltung">Schaltkreises</a>, der nach einer vorbestimmten Zeit einen <a href="Elektrischer_Strom" title="Elektrischer Strom">elektrischen Strom</a> durchschaltet („<a href="Trigger_(Elektronik)" title="Trigger (Elektronik)">triggert</a>“), wodurch wiederum der Sprengsatz gezündet wird. Der Zeitpunkt der Explosion ist damit genau bestimmbar.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Thomas Enke: <i>Grundlagen der Waffen- und Munitionstechnik.</i> Walhalla Fachverlag, 4., aktualisierte Auflage, Regensburg, 2023, ISBN 978-3-8029-6198-4, S. 392 f.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Beat_Kneubuehl" class="mw-redirect" title="Beat Kneubuehl">Beat Kneubuehl</a> (Hrsg.), Robin Coupland, <a href="Markus_Rothschild" title="Markus Rothschild">Markus Rothschild</a>, Michael Thali: <i>Wundballistik. Grundlagen und Anwendungen.</i> 3. Auflage. Springer, 2008, ISBN 978-3-540-79008-2. S. 58 <a rel="nofollow" class="external autonumber" href="https://books.google.de/books?id=wsMjBAAAQBAJ&amp;pg=PA58">[1]</a></span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.bremerhaven.de/de/aktuelles/attentat-missglueckt-in-bremerhaven-erste-zeitbombe-der-welt-erschuettert.20530.html"><i>Attentat missglückt in Bremerhaven - erste Zeitbombe der Welt erschüttert 1875 die Stadt – Bremerhaven.de.</i></a> 10.&nbsp;Dezember 2011,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 5.&nbsp;August 2019</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&amp;rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3AZeitz%C3%BCnder&amp;rft.title=Attentat+missgl%C3%BCckt+in+Bremerhaven+-+erste+Zeitbombe+der+Welt+ersch%C3%BCttert+1875+die+Stadt+%E2%80%93+Bremerhaven.de&amp;rft.description=Attentat+missgl%C3%BCckt+in+Bremerhaven+-+erste+Zeitbombe+der+Welt+ersch%C3%BCttert+1875+die+Stadt+%E2%80%93+Bremerhaven.de&amp;rft.identifier=https%3A%2F%2Fwww.bremerhaven.de%2Fde%2Faktuelles%2Fattentat-missglueckt-in-bremerhaven-erste-zeitbombe-der-welt-erschuettert.20530.html&amp;rft.date=2011-12-10&amp;rft.language=de">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Wolfgang Michel: <i>Britische Spezialwaffen 1939-1945: Ausrüstung für Eliteeinheiten, Geheimdienst und Widerstand</i>. BOD, 2011. ISBN 9783842339446.</span>
</li>
</ol>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Zeitz%C3%BCnder" class="extiw external" title="wikt:Zeitzünder">Wiktionary: Zeitzünder</a></b>&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.deutsches-spionagemuseum.de/sammlung/soe-verzoegerungszuender-fuer-sprengfallen">SEO-Verzögerungszünder für Sprengfallen im 2. Weltkrieg</a> im <a href="Deutsches_Spionagemuseum" title="Deutsches Spionagemuseum">Deutschen Spionagemuseum Berlin</a></li></ul></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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